Es ist nicht alles Gold was glänzt

Januar 13, 2012 under GKV, PKV

Selbständige wissen das, Staatsbedienstete (Beamte) wissen das und viele weitere Menschen, die Privat Krankenversichert sind, wissen das auch: Alles hat seine Vor- und Nachteile und das wird in der Krankenversicherung Groß geschrieben. In jedem Fall ist es erst einmal schön sagen zu können: Ich bin privat krankenversichert. Ich muss nicht lange auf meine Arzttermine warten, mein gesondertes Wartezimmer ist mit Ledermöbeln bestückt und im Krankenhaus behandelt mich in meinem Einzelzimmer der Chefarzt. Das ist schön anzuhören jedoch nur die halbe Wahrheit.

Privat krankenversichert zu sein bedeutet auch Selbstbeteiligung und vor allem Vorkasse des Patienten. Ist man jung, dynamisch und erfolgreich, so wird man – entspricht man den Kriterien für die Mitgliedschaft bei einem privaten Versicherer – mit buchstäblicher Kusshand aufgenommen und die monatlichen Mitgliedschaftsbeiträge sind verhältnismäßig gering. Leistet man sich noch eine Selbstbeteiligung so sieht alles noch viel rosiger aus.

Immer höhere Beiträge zur Krankenversicherung

Freie Arztwahl in der PKVAber der Mensch wird nun einmal älter und muss deshalb öfter bei seinem Arzt vorsprechen. Das ist auf Dauer kostenintensiv für die Kasse und wird auf die monatlichen Beiträge zwangsläufig umgelegt. Sind Sie siebzig Jahre alt und unheilbar erkrankt, so kann das für Sie bedeuten, dass Sie auf Grund der Krankenkassenwahl und der Vorkasse sehr schnell in finanzielle Probleme geraten.

Nicht zu vergessen: Private Krankenversicherer (PKV) sind Privatunternehmen und die wollen möglichst geringe Ausgaben haben. Da aber seit 01.01.2009 das Fünfte Buch Sozialgesetzbuch unter anderem vorschreibt, dass man seine Mitgliedschaft bei der Krankenkasse aufzunehmen hat, bei der man zuletzt versichert war, hat man zunächst eine Einschränkung der Kassenwahl. Spricht man nun als nicht mehr ganz junger Mensch vor, so kann die Kasse getrost eine Mitgliedschaft ablehnen.

Verschinden des Prämienzuschlag in der PKV

Wenn sie kraft Gesetz keine Möglichkeit der Ablehnung hat, wird die Aufnahme als Mitglied gerne mal um den einen oder anderen Monat verzögert. Papier ist geduldig. Und nicht zu vergessen: War man vielleicht für ein bis zwei Jahre im nicht-europäischen Ausland und kehrt zurück in die Bundesrepublik, so muss man nicht geleistete Beiträge bis zum 01.01.2009 zurück als sogenannten „Prämienzuschlag“ an die private Krankenversicherung erstatten. Wohlgemerkt bedeutet dies mitnichten, dass eine rückwirkende Mitgliedschaft besteht. Der Prämienzuschlag verschwindet in der PKV ohne jegliche Gegenleistung.

Schnell steht man da wie „der Hauptmann von Köpenick“, denn es besteht nun einmal die Verpflichtung zur Krankenversicherung. Eine Gesetzliche Krankenkasse hat da keine Grundlage zur Aufnahme des Suchenden. Doch bestünde als Tipp in solch einem Zwickmühlenfall die Chance über einen netten potenziellen Arbeitgeber, der, wenn er auch nur einen Tag der versicherungspflichtigen Beschäftigung feil gibt nebst Arbeitsvertrag und Meldung zur Sozialversicherung über eine Hintertür in die GKV zu kommen. Dann besteht auch Wahlrecht in einer GKV.

Dass so viele Menschen von der PKV in die GKV wechseln, ist wahrscheinlich den genannten Erkenntnissen geschuldet. Eine Optimierung der PKV kann fast nicht in Aussicht stehen, denn alles deutet auf Gewinnoptimierung hin. Als Beispiel dienen gerne die Vereinigten Staaten. Dort existiert gar keine GKV und die PKV hat das Monopol hoher Beiträge und folgender Recherche: In den USA werden die wohlhabendsten Menschen durchschnittlich nicht so alt wie in Europa die Ärmsten (frei zitiert aus Michael Moore´s „Sicko“). Wenn das nicht Bände spricht.

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Autor/Inhalt: Clarissa Hagenmeyer